MacDuff, John R. - Der Bogen in den Wolken - 5ter Tag. - Unveränderlichkeit

Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken.

Ich bin der Herr, der sich nicht ändert, und es soll mit euch Kindern Jakobs nicht gar aus sein.
Mal. 3, 6.

Der Herr ändert sich nicht!

O, welch ein Anker für den, der vom Sturme verschlagen ist! Wechsel ist hienieden unser Los. Dinge und Verhältnisse ändern sich. Unsere Freuden welken dahin. Aber unsere Freunde? Die. Einen sind uns in große Ferne gerückt, und die Andern haben den weitesten Weg angetreten, sie sind in die Heimat gegangen. Wer sollte unter solchem Wechsel nicht nach etwas Bleibendem, Stetigem und Dauerndem seufzen? Einmal um das andere hat sich das Fahrzeug von dem Ankertau losgerissen. Darum sehnen wir uns nach einem sichern, schirmenden Hafen.

Der Herr ändert sich nicht! Alles Fleisch mag verdorren und hinfallen und wirklich geschieht's so - aber der Herr vergeht nicht, sondern Er bleibt, wie Er ist, und Ihn rührt kein Wechsel, der in der Welt um ihn hervorgeht. Wie wir selber uns auch ändern, Ihn ändert nichts! Und ob auch unser treuloses Herz, wenn es gebeugt und vom Sturme bewegt ist, wie ein zerbrochener Bogen zusammenfällt - so ist bei dem Herrn doch kein Wechsel des Lichts und der Finsternis. Er kann sich selbst nicht leugnen!1) Das ist seines Thrones Überschrift und so steht's auf Allem, was Er tut.

Der Herr ändert sich nicht! Weißt du, für wen Er den düstern Himmel mit jenem Bogen des Trostes umspannt? Er tut's für die Kinder Jakobs, sein Bundesvolk. Wie vor Zeiten Jakob, also zog Er ihnen an das Kleid seines älteren Bruders,2) durch welchen sie des geistlichen Erbes teilhaftig worden sind.

Unveränderlicher Gott! O, welch ein köstlicher Name ist das! Ich habe darin ein Pfand, dass mich nichts treffen kann, als was zu meinem Besten dient. Wie könnte ich zweifeln an seiner Treue? Ich muss bekennen, dass alle seine Wege recht sind. Verdunkelt sich der Horizont meines Pilgerlebens, so weiß ich, dass nichts als Seine Bundesliebe ihn umdüstert hat. Gerade zu dieser Stunde ist Er derselbe, welcher seines eigenen Sohnes nicht verschont hat3), statt mich zu wundern über meine Trübsal, will ich mich vielmehr wundern, dass Er mich so lange getragen hat in Geduld. Die unveränderliche Barmherzigkeit und Treue des Herrn ist's, dass es noch nicht gar aus ist mit mir. Ja, wäre Er ein Mensch, wäre Er veränderlich und wankend, wie ich, so hätte Er mich längst, ehe ich an diesen Tag gekommen, von sich gestoßen und den Fluch des unfruchtbaren Feigenbaums über mich ausgesprochen. Aber meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr. Bei Ihm ist keine Veränderung noch Wechsel. Ja, wenn der Tag dunkel und der Himmel mit Wolken bedeckt ist, will ich meine Augen aufheben zu dem Zeichen des Bundes und mit Tränen in den Augen singen: Wohl dem, des Hilfe der Gott Jakobs ist, des Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, steht!4)

Und wenn es kommt, dass ich Wolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken.

1)
2 Tim. 2, 13.
2)
1 Mos. 27.
3)
Röm. 8, 32.
4)
Ps. 146, 5.